Begegnung | ... | St. Jean le Vieux

Unterwegs070 Unterwegs071 Unterwegs072

Es wandert sich so leicht dahin. Der Duft von eingepacktem Heu. Bei den Pferden setze ich mich auf eine Mauer. Das Ritual: Schuhe und Strümpfe aus. Trete zu allem Überfluss - aber was ist Pilgern anderes als Überfluss - mit dem Fuß auf eine Brennnessel. Ja, ja Demut. Die Pferde essen mir die Äpfel weg. Ich treffe nach dieser Pause Isabelle wieder, und wir gehen nach St. Jean Le Vieux gemeinsam. Die Lavendelblüten an meinem Rucksack. Was für eine Lauffreude heute.
Ich werde letzte Gedanken los und genieße diese schönen Einblicke in die Landschaft. Ich will diese Felder ernten. Hat das Richtige einen Wegweiser? Bin um 12 Uhr zum Glockenschlag in St: Jean le vieux: Mein Körper ist vollends unterwegs. Hier und Jetzt. Setze mich an die Kirche für eine Pause und fülle meine Flasche. Habe kein Geld für einen Kaffee, also bin ich schnell wieder auf meinem Weg. Ich könnte von dieser Unternehmung ein Lied singen. Ich lasse es lieber. Wenn ich mich verlaufe, ist die Zeit aus dem Ruder. Dann stimmt das Rechts-Links nicht mehr mit dem Tick-Tack überein. Ich will dann schneller, bin ungehalten in jeder Richtung des Wortes. Wenn ich allein bin. In Gesellschaft entgleiten diese Momente selten. Ich rätsele mich aus dem Augenblick.

Ich feiere meine Füße für jeden Schritt, den sie mich näher ans Ziel bringen. Ich feiere meine Hände dafür, dass sie mich bei der Stange halten. Und ich feiere meine Schultern, wie Viel und wie lange haben sie schon zu tragen. Ich feiere meine schüchternen Tränen, meine Schmerzen, meine Grenzerfahrungen und diese wahrhaftigen, öffnenden Begegnungen. ICH FEIERE!