Condom | Ankommen, jedes mal neu | unterwegs nach Eause

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Natürlich bewältige ich auch diese Etappe. Selbstverständlich komme ich an. Belohnt werde ich durch eine der schönsten Unterkünfte auf dieser Reise.
Die Joghurts und der Umweg liegen mir noch schwer im Magen. Ich kaufe Schokolade. Zum Abendbrot gibt es eine Cola und ein Bier und dann zum Schluss Armagnac, vom Hause spendiert, und Schokolade. Herrlich. Wir genießen unser Essen in dieser schönen, aufgeräumten und sauberen Herberge und bereiten uns schon etwas auf die nächste Etappe vor. Jetzt erst komme ich zur Ruhe. Seit dem ich hier ankam, war ich nur unterwegs. Geduscht, Patron getroffen und die Bezahlung geregelt, dann zum Spaziergang aufgebrochen. Bin danach ins Städtchen gejoggt (ja, meine Pilgerschlappen sind ne Wucht) und habe Obst, Käse, Kekse, Tampons und Schokolade gekauft. Bin atemlos und dennoch ein kleines bisschen glücklich. Nach dem Abendtrinken setze ich mich ein wenig raus, aus der Ferne erklingt Akkordeonmusik. Ich bin müde und möchte schlafen.
Bis 5:30 habe ich prima geschlafen, die Mückenstiche waren nervig. Der Duft des frischen Baguetten trifft uns mit voller Wucht. Das ist Frankreich, wie es im Buche steht. Auch wenn ich noch nicht gelernt habe, mein Baguette mit Butter bestrichen in den Kaffee zu tunken. Ich habe mir für das Frühstück 30 Minuten Zeit gelassen. Sensation.
Um 8:50 Uhr gebe ich mir eine Pause, um meinen Rücken abzulegen, der schmerzt. Ich weiß nicht, welche Wehwechen ich in diesem Jahr mit mir herum trage, bin ich zimperlich oder ein Weichei, oder was? Und ich musste mir die schweren Schuhe ans Bein binden, leicht wäre auch zu einfach. Aber ich bin flott unterwegs. Um 10:20 in Montreal; halbe Strecke. Hier habe ich Zeit für einen express, kaufe einen Wanderführer und gebe einen Kartengruß auf.

In der Sehnsucht nach Hause zu meiner Familie liegt der tiefe Wunsch, Dinge richtig zu machen - auch meine Ehe. Ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich weiß, dass ich zuhause dabei bin, meine Kontur zu verlieren und mich in meinem Leben aufzulösen. Zum Glück sind mir diese Tage gnädig und haben Nachsicht mit mir. Sie lassen mich sein. Dankbarkeit. Eine Sehnsucht möchte ich mit auf die weiteren Kilometer nehmen und sehen, wie weit ich damit komme. Zweifel.