von Lectoure nach Condom | man trifft sich immer zwei Mal | wie schön

Ich schlafe gut und bin 5:45 auf. Um 6:35 bin ich wieder auf dem Weg. Um 8:25 lege ich wieder einen Stein ab. Einen Stein, für alles, was mir den Weg versperrt. Es ist herrlich frisch, ein munterer Wind lädt mich zum Durchatmen ein. Ich rieche diesen Morgen, ich atme diesen Tag. Ich erfreue mich immer wieder an dem Spruch aus der Herberge:
"Things are getting worse, please send chocolate"!
Ich weiß hier und jetzt noch nicht, dass ich nach meiner Rückkehr sehr viel Schokolade brauchen werde. Obwohl ich schon ahne. Der Weg ist eben schon da. Ich muss ihn nur noch gehen.
Der Weg durch den Wald entlang des Flusses ist der Wahnsinn, die Mücken haben sich zusammengetan und finden jede freie Stelle zum Stechen. Schnell weg hier, schnell raus aus diesem Schlamassel.
Eine Bank. Pause. Ich entferne mich wieder von Peter und bin allein unterwegs. Um 11:15 gibt es eine ausgedehntere Mittagspause im Feldrand mit einem Thunfischbrot und Tomate. Gestärkt mache ich mich an den letzten Abschnitt (dachte ich). Zweifele ein wenig bei der Markierung und gehe den Berg hinauf, wo ich wieder auf die weiß-roten-Zeichen treffe. Immer noch ein wenig unsicher, schaue ich im Führer nach und bin wieder beruhigt. Ich wundere mich trotzdem, dass mich die Sonne von rechts, also eher von Osten als von Westen anscheint. Ich wundere mich und kann es nicht erklären, bis ich in Romieu ankomme: Bin 11/2 Stunden in die falsche Richtung gelaufen! Und das an einem Sonntag, an dem mir das Gehen ohnehin sehr schwerfällt. Wenn in den Gärten die Grills angeworfen werden, der Duft von Barbeque durch die Luft weht, oder der Tisch für den Kaffeebesuch gedeckt ist. Kinderspielzeug im Garten verstreut herumliegt und wartet. In solchen Momenten zweifle ich an meinem Unterfangen. Ich latsche hier sonntags gottvergessen umher mit 11 Kilo auf den Schultern und dann noch in die falsche Richtung. Ich will jetzt mit meiner Familie auf meiner Terrasse sitzen und Kuchen essen. Jetzt sofort. Die wollte diese lange Variante nicht gehen. Wollte ich nicht, sollte ich aber! Also alles retour, wieder an den selben Kühen vorbei, die Häuser noch einmal von einer anderen Einstellung aus gesehen. Die gute Frau hat mich ganz schän Hin und Her geschickt.
Aber was ist schon geradeaus? Ich mache noch einmal eine Pause am Weiher. Aber das baut mich nicht wirklich auf. Ich muss 2 Joghurts essen, weil die 2. beim Öffnen der ersten kaputt gegangen ist. Völlig überladen stolpere ich weiter. Das hier ist das Allerletzte.
Steine begleiteten die Tage. Die meisten werden achtlos getreten. Stellen sich quer, scheuern in den Schuhen. Manche allerdings werden gesammelt und geschichtet und bekommen so einen anderen Zusammenhang.
DEMUT schreibe ich mir hinter die Ohren. Demut, Frau Mahner, nicht übermut! Du Sprachkünstlerin und Wortklauberin hast die Zeichen nicht erkannt oder falsch gedeutet. DEMUT steckt da nicht auch ein wenig Mut drin?