Auch allein? Iss gar nicht schlimm!| Schon da, als wäre nix gewesen | Mahlzeit!

Ich erfreue mich an diesem Bild - mutterseelenallein, ich weiß, was sie meint.
Ich wandere munter die Straße entlang, es ist herrlich in jedem Sinn des Wortes. Um 8:20 erkundige ich mich in der Zeitung nach dem Fortgang der Fußballweltmeisterschaft. Bin hier schließlich auch als Botschafterin unterwegs. Ich habe viel Freude am Laufen. Ohne Schmerzen ist es ein Genuss. Ich mache etwas später noch eine kleine Pause am Wegesrand. Ich liebe abfallende Aussichten, die mir einen Überblick verschaffen. Wenigstens hier. Ich esse einen Apfel und lasse wie in jeder anderen Minute, den lieben Gott eine gute Frau sein. Hier lerne ich Peter kennen, mit dem ich einige Kilometer und Herbergen gemeinsam verbringen werde. In unserer gemeinsamen Pause bei der Kirche in Montlauzan lerne ich, dass man selbst bei großer Hitze mit Schokolade pilgern kann. Ich lasse mir das angebotene Stück auf der Zunge zergehen. Um 13:30 sind wir an der Gîte, nagelneu und sauber und wie für uns gerade an diese Stelle gebaut.
Auf der Terrasse kann ich mich wieder allein meinem Nachhall der gelaufenen Kilimeter hingeben, der mit einer Tasse Tee und einer Leckerei beginnt und dann die Gedanken fort schickt, Das ist ganz großes Kino hier, was mich einnimmt in 3d, Farbe und dolbi surround.
Die Leinwand der Tage, wie sie sich vor mir aufspannt, wickelt mich in ihre Ordnung. Diese Ordnung nimmt mich auf und so tut, als wäre ich Teil von ihr. Sie ist mir freundlich, wie so unbeschreiblich Vieles hier. Auch die vielen Menschen, von denen ich mich immer wieder entfernen möchte, damit sie mir nah bleiben.
Meine Hände, die diese Welt auf dem Papier in mundgerechte Scheiben schneiden wird, was nützen sie mir hier? Was nützt mir hier alles Handwerk, das ich sonst so gern treibe. Meine Hände werden, wenn ich angekommen bin, die Sätze mal zu weit treiben, mal nicht weit genug, weil der Staub auf den Schuhen oder die gelöste Haut an meinen Füßen, nicht auf die Linien des ausgesuchten Papiers gehören. Oder das Pflaster auf dem Rücken, damit ich beruhigt bin. Und wenn mein Bein bis zum Hintern schmerzt, ist das alles reine Nervensache? Wo soll ich das bitteschön unterbringen? Ich gehe auf dem Zahnfleisch, oder? Manchmal finden die aus meinem Leben ausgeschnittenen Worte keine Worte. Und gut. Und ungenügend. Und still. Was ist hier ist, gehört hier hin. Und es gehört mir.
Ich bin kurz davor, mutig zu werden. Und gehe um 21:45 ins Bett und gute Nacht.