Retourkutsche | sauve et saine

086 als wäre nichts gewesen

Um 5:40 auf, um 6:15 ein letztes Mal durch diese Tür. Blick auf die Hügel. Die Stadt noch im Lampenschein. 6:30 Uhr im Zug.
Dieses grüne Grün, mein Spaziergang über die Pyrenäen. Diese randlose Aussicht. Jeden Tag. Habe ein kleines bisschen Abschiedsschmerz. Bin tapfer. Schluss ist Schluss. Jedem Ende ist ein Anfang. Perspektive.
Wenn die Zukunft sich aus dem Staube macht, von jetzt auf gleich. Wenn die Zeit stehen bleibt, um zu schauen. Wenn sie dich übergeht, als wärest du nicht. Die Zukunft, die sich aus dem Staube macht, wirft einen Schatten auf meine Geschichte. Diese Zeit, so still, duckt sich und taucht unter mir weg.
Wenn ich die eine Tür so heftig zuschlage, ohne dass die andere schon offen wäre. Wenn auf das Wenn das Dann nicht folgt. Wird dann trotzdem alles gut?

Wenn ich diesen Weg nach Monaten Zeile für Zeile entlang gehe, wenn ich diese Notizen Blatt für Blatt durch meine Hände lasse, dann bin ich wieder unterwegs.
Das Geschriebene kann auch den Leser auf seinen eigenen Weg nehmen. Nicht meinen, seinen. So wird es ein neuer Weg, ein anderer, immer wieder, mit jedem Wort. Auch für mich ist der gelesene Weg ein anderer. Die Schrift ist eine Möglichkeit zurück zu kehren, noch einmal zu gehen. Anders, gewiss.

Gedanken, die sich kreuzen, die des Lesenden mit denen der Schreibenden. Zusammen beschreiben sie eine neuen Weg. Sich langsam vorantasten.
In den Momenten, in denen die Sprache über den Augenblick hinausgeht, habe ich die Möglichkeit, die Zeilen entlang wandernd, wieder an Ort und Stelle zu sein.

Unterwegs ist grüner Tee, der fließende Zug, das neue Zuhause. Unterwegs ist heile Welt. Ist das Hundegebell und das weniger Werden von Sprache.
Ich will lebenslänglich versuchen, so zu sein, wie auf diesem Weg. Ich möchte meinen Mut in die Hände nehmen, denn dafür sind sie da. Möchte mich erkennen, wie auf diesen Fotos. Am Ende des Wegs ist lange noch nicht Schluss.